Entwicklungen in der Wellness-Planung


Der Planer, der Bauherr und der Koch

(fxaz) - Der Bau von Schwimmbad- und Wellnessanlagen, von Thermen, Saunabädern oder Spas ist unstrittig eine hochkomplexe Angelegenheit. Die Überschrift „Der Planer, der Bauherr und der Koch“ zeigt die Spannbreite der Beteiligten, die involviert sind. Hierbei sind die Endkunden als die Zielgruppe für die das Ganze realisiert wird, noch gar nicht benannt. Hochkomplexe Verfahren haben es an sich, dass sie wenig transparent sind und dass es aufgrund der Vielzahl der Beteiligten Reibungsverluste gibt. Im schlimmsten Fall hat die gebaute Anlage in der Realität mit dem ursprünglichen Wunschbild nicht mehr viel zu tun.

Die Liste der Mängel ist lang

Was für Geschichten und Beispiele kursieren da in der Branche – wenn auch hinter vorgehaltener Hand? Da wird zu groß gebaut oder auch zu klein. Es werden Anlagen falsch ausgerichtet, an jeglichem Bedarf vorbei. Es wird an einem ungünstigen Standort gebaut. Da finden sich Kostenverschätzungen, die für den Investor sogar das Ende bedeuten können. Es existiert zudem eine Ignoranz gegenüber den alltäglichen Funktionsabläufen, die für diejenigen, die in den Anlagen arbeiten, zu Zeitfallen werden. So werden dem Personal Wege zugemutet, die absolut unökonomisch sind, was dazu führt, dass zusätzliches Personal über den Personalschlüssel eingestellt werden muss. Da ist Anordnung und Ausnutzung der Räumlichkeiten nicht optimal gelöst. Technische Notwendigkeiten werden nicht zu Ende gedacht und deren Folgen nicht bedacht.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, was ein zu geringer Abwasseranschluss an einer Zweipersonenwanne an Folgewirkungen generieren kann. Die Auslaufzeit der besagten Wanne beträgt cirka fünfundzwanzig Minuten. In dieser Zeit ist der Wanneraum umsatztechnisch tot. Bei richtiger Installation hätte der Betreiber zwei Wannenbäder pro Tag mehr verkaufen können. Der rechnerische Umsatzverlust beläuft sich auf knapp 18.000 Euro pro Jahr. Und der Koch? Er könnte die Liste verlängern. Er hat ein massives Problem mit seinen Lagermöglichkeiten.

Polarisierung und Sensibilisierung

Mit solchen Mängellisten ließen sich Seiten über Seiten füllen. Klar ist auch, dass hier kein Märchenerzähler am Werk ist. Damit ließe bei der einen Fraktion Beifall einkassieren. Auf der anderen Seite wird den lauten Buhrufern auch ausreichend Futter geliefert. Dann aber gibt es noch ein kleines Häuflein Aufrechter, die vernehmlich „Moment mal“ rufen und Fragen stellen. Da es hier nicht Verurteilung oder Bejubelung geht, sondern um gegenseitige Sensibilisierung und damit um Lösungen oder zumindest Lösungsansätze, sind Fragensteller hochwillkommen. Die Frage, die letztlich zur Beantwortung ansteht lautet, „muss ein anfängliches Wunschbild immer zu einem tatsächlichen Trugbild werden?“ Den Weg des Wanderers in Richtung Antwort oder sogar Wahrheit pflastern weitere Fragen.

Fragen auf dem Weg in Richtung Antwort

Beginnen wir den Weg mit einer vermeintlichen Weisheit, die trotzdem nicht immer beherzigt wird. Bad ist nicht Bad und Wellness-Einrichtung nicht Wellness-Einrichtung. Diese Aussage ist lange nicht so banal, wie sie zunächst klingt. Sind nicht die meisten gescheiterten Umsetzungen, an einer fehlenden Analyse gescheitert? Eine gute Analyse muss Grundlage jeglicher Bauansätze sein.

Analyse und unverwechselbarer Charakter

Was ist gewollt? Was ist machbar? Das sind die Kernfragen gleich zu Beginn. Ohne die Erfordernisse und Bedürfnisse genauestens zu kennen, wird jede Ausrichtung eines Objektes scheitern, gleiches gilt für den Betrieb. Jedoch müssen einige Grundparameter beachtet werden. Nur Anlagen einer gewissen Größe können im Hinblick auf Personal- und Warensynergien wirtschaftlich betrieben werden. Die Ausbildung eines unverwechselbaren Charakters gehört dazu. Planung und Betrieb müssen als Einheit gesehen werden.

Durchführung und Beratung

Aber wer führt sie durch, die Analyse? Auf welcher Basis wird analysiert? Und wie weit geht sie? Von hinten aufgezäumt bedeutet dies, dass die Analyse weit über das Bauliche hinausgehen muss. Der Durchführende darf dabei keine eigenen Interessen verfolgen. Bedarfsanalysen sollten unabhängig und unparteilich durchgeführt werden, so weit dies überhaupt möglich ist. Im zweiten Schritt ist die umfassende (ebenfalls unparteiliche) Beratung unabdingbar. Zur dieser Beratung gehören auch umfassende Dinge wie Marketing, Werbung oder Schulung der Mitarbeiter. Die Wünsche der Investoren an den Planer stellen hierfür die Basis dar. Diejenigen Investoren, die gleichzeitig Betreiber sind, können hier im Vorteil sein. Sie sind ein wenig anders positioniert und können aus eigenen Referenzprojekten sowohl positive als auch negative Erfahrungen auf den Tisch legen.

Kooperation und Koordination aller Beteiligten

Der beste Weg scheint zweifelsohne, alle Beteiligten frühzeitig zur Zusammenarbeit zu bewegen. Eine - sicher unvollständige - Liste aller Beteiligten könnte so aussehen: Ein interdisziplinäres Team aus Medizinern, Therapeuten, Betriebswirtschaftlern, Gastronomieexperten, Architekten, Innenarchitekten, IT-Spezialisten und Ingenieuren arbeitet nach den Vorgaben des Investors. Aufgrund der Tatsache, dass Bäderplaner oft sind wie Fußballbundestrainer - es gibt unzählige Experten, die es besser könnten - ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Beteiligten über entsprechende Fachkompetenz und Erfahrungen verfügen müssen. Objektiv ist bei Schwimmbad- und Wellnessanlagen der Grad der Komplexität so hoch, dass bei der Vielzahl der Beteiligten ein Planer die Gesamtprojektleitung koordinieren muss. Jedoch sollte diese klassische Projektsteuerung nicht nur für die Steuerung, sondern auch für die Termin-, Kosten- und Qualitätsüberwachung erfolgen. Jeder Cent, der für Analyse und Beratung, sowie richtige Planung eingesetzt wird, wird sich früher oder später armotisieren. Wer auf Nachhaltigkeit und genaue Zielgruppenanalyse sowie auf Flexibilität setzt wird dem steigendem Konkurrenzdruck auch heute noch standhalten können.

Als Grundlage des Artikel dienten Gespräche, die Franz X.A. Zipperer mit, Dr. Christian Kuhn (Architekten+Ingenieure Dr. Krieger), Rudi Ludgen (Vitadom), Thorsten Sträter (4spa), Heidrun Dalmeyer (Pellikaan Bau), Ulrich Müther (Saunabau Müther) führte.




Aktuelle Trends im Saunabau, für Wellnessanlagen sowie Spas und Thermen

 


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