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Gib ihm Salziges –
Unter welchen Bedingungen ist die Inhalation mit Salz und Sole befreiend? Kongressbericht von der therapie Leipzig!
(om/jr/fxaz) Salz und Sole sind Quellen der Heilung. Äußerlich angewendet unterstützt das Mineral des Lebens die Gesundung bei Haut-, Atemwegs- oder Gelenkbeschwerden. Darüber hinaus kann ein Bad in Sole bei Schuppenflechte, Neurodermitis und Ekzemen angezeigt sein. Diese – nur beispielhaft aufgezählten – vielfältigen Wirkungen von Salz haben die Messeleitung der „therapie Leipzig“ bewogen, im Frühjahr den Fokus auf Salz zu richten. Und hierbei insbesondere auf die Wechselwirkungen von Salzinhalationen und Atemwege. Moderiert von h+k_professional-Redakteur Franz X.A. Zipperer äußerten sich Prof. Dr. med. Olaf Michel vom Universitätskrankenhaus Brüssel und Dr. med. Joachim Riethmüller von der Universitätsklinik Tübingen im Rahmen des Fachvortrags „Befreiend: Inhalation mit Salz und Sole.“
Prof. Dr. O. Michel ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Plastische Operationen, Stimm- und Sprachheilkunde sowie Allergologie und liefert zunächst die für eine Therapiebetrachtung der Wirkungsweise von Salz benötigten Grundlagen in Sachen Hals- Nase-Ohren.
Im Detail betrachtet: Hals-Nase-Ohren
Das System Hals-Nase-Ohren verfügt über eine gemeinsame Schleimhautbedeckung. Auf dieser Schleimhaut befindet sich ein regelrechter Teppich aus Millionen von Zellen mit beweglichen Härchen. Diese Flimmerhärchen schlagen peitschenartig mit ihren kleinen Fädchen. Diese Flimmerschläge sind exakt aufeinander abgestimmt und passieren tausend Mal pro Minute. Durch den Schleim und die Flimmerhärchen wird die Atemluft von Staubteilchen und Bakterien gereinigt, gewärmt und angefeuchtet. So werden unter anderem auch Infektionen vermieden. Sind die Schleimhäute jedoch geschädigt, ist eine geordnete Bewegung des Schleims nicht mehr möglich. Meistens sind es virusbedingte Infektionen, welche die Nase und die Nasennebenhöhlen befallen. Auf der durch das Virus vorgeschädigten Schleimhaut kann sich ein Biofilm mit Bakterien bilden. Diese sitzen in Kolonien zusammen, vermehren sich bis zu einer kritischen Masse und dicker Schleim, bis hin zur Verkrustung, verstopft die Nase.
Therapie: Feuchtsalz-Inhalation
Für eine Behandlung stellt sich die Frage, wie wird aus einer geschädigten Schleimhaut wieder eine gesunde Schleimhaut? Die Inhalationstherapie steht da beispielsweise zur Verfügung. Sie hat sich aus der Erfahrungsmedizin entwickelt und ist seit jeher Bestandteil der Therapie von Atemwegsinfektionen. Als traditionelles Beispiel führt Prof. Dr. O. Michel die Funktionsweise von Gradierwerken an. Sie bestehen aus einem Holzgerüst, das mit Reisigbündeln, vorwiegend Schwarzdorn, verfüllt ist. Das Verb „gradieren“ be- deutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Im Falle eines Gradierwerks wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, indem Sole durch das Reisig hindurchgeleitet wird, wobei auf natürliche Weise Wasser verdunstet. Außerdem lagern sich Verunreinigungen der Sole an den Dornen ab; dadurch wird die Qualität des erzeugten Salzes erhöht. Die versprühten Salzteilchen – von ganz grob bis ganz klein – werden vom Besucher eingeatmet. Die angesprochene Erfahrung lautet: Feuchtsalz-Inhalation wirkt! Doch wie und warum? Um wissenschaftlich überprüfbare Fakten zu liefern, stellt Prof. Dr. O. Michel eine eigene doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studie vor. Dazu wurden zwei Gruppen gebildet: Eine Gruppe wird mit Solelösung behandelt. Dabei handelt es sich um Sole aus einer Naturquelle. Chemisch gesehen ist es ein Natrium-Hydrogenkarbonat, das auf eine isotonisch wässrige Lösung verdünnt wurde. Eine andere Gruppe erhält ein Placebo. Am Ende der Studie lassen sich zwei wesentliche Ergebnisse festhalten. Zum einen konnte bezüglich der Wirkprinzipien die Effektivität der Feuchtinhalation bei verschiedenen Krankheitsbildern der Atemwege nachgewiesen werden. Auch in Verbindung mit modernsten schulmedizinischen Operationsme- thoden wie der Laserresektion von Kehlkopf und Trachealveränderungen kann die Inhalationstherapie einen festen therapeutischen Stellenwert in der postoperativen Nachsorge finden. Zum anderen wurde klar, dass es bei der Inhalationstherapie ganz entscheidend auf die Teilchengröße der versprühten Salzpartikel ankommt. Damit die gesamten Atemwege bis hinein in die Lunge erreicht werden können, müssen diese kleiner als fünf Mikrometer sein. „Die Feuchtinhalation als traditionelle Behandlungsform, die sich aus der Naturheilkunde entwickelt hat, kann mit wissenschaftlichen Kriterien gemessen werden“, fasst Prof. Dr. O. Michel die Ergebnisse zusammen.
Therapie: Trockensalz-Inhalation
Priv. Doz. Dr. Joachim Riethmüller ist Facharzt für Pädiatrie, Intensivmediziner, Lungenspezialist, stellvertretender Leiter des Center for Pediatric Clinical Studies (CPCS), eine Einrichtung der Uni- versitätskinderklinik Tübingen. Diese liefert Forschungsergebnisse für eine Therapiebetrachtung von Trockensalz-Inhalationen bei pulmonalen Erkrankungen am Beispiel der Mukoviszidose. Die Krankheit wird auch zystische Fibrose genannt, ist eine genetisch bedingte, autosomal-rezessive angeborene Stoffwechselerkrankung. Bei Menschen mit dieser Erkrankung ist durch die Fehlfunktion von Chloridkanälen die Zusammensetzung aller Sekrete exokriner Drüsen verändert. Das entstehende zähe Sekret kann durch die
Aktivität der Flimmerhärchen nur schwer abtrans- portiert werden. Daher stellt es einen guten Nähr- boden für Krankheitserreger dar.
Im Jahr 1843 stellte der polnische Arzt Dr. med. Felix Boczkowski fest, dass die in heimischen Salzminen von Wieliczka (zu Deutsch Groß Sal- ze) arbeitenden Menschen nur äußerst selten an Atemwegserkrankungen litten. Boczkowskis Erkenntnisse beeinflussten ganz wesentlich die Entwicklung der Speläotherapie. Die positive Wirkung von Trockensalzinhalation bei Atemweg- serkrankungen, wie beispielsweise Asthma und Mukoviszidose, wird seit vielen Jahren vermutet und erforscht. Auch hierbei führt der Weg über Erkenntnisse zum genauen Wirkmechanismus des therapeutischen Prozesses.
Qualität des Salzes und Qualität der Luft
Zunächst kann festgehalten werden, dass es auf die Art und Qualität des Salzes ankommt; denn sie bestimmen wesentlich die Wirksamkeit der Behandlung. Es sollte rein und nicht mineralreich sein und einen NaCI-Gehalt von mindestens 99,9% aufweisen.
Anhand der Forschungsergebnisse lassen sich Ansprüche an die Leistungen eines Trockensalz-Inhalations-Gerätes formulieren. Mit bisherigen medizinischen Geräten verabreicht, gelangt nur ein geringer Anteil der entsprechenden Dosis tatsächlich in die unteren Atemwege. „Das ideale Gerät erzeugt ein qualitativ hochwertiges Trockensalznebelklima unter Verwendung minimaler Salzmengen und ist imstande, Partikel unter einer Größe von fünf Mikrometer von größeren Partikeln zu trennen und leitet ausschließlich die kleineren in den Raum ein“, stellt Priv. Doz. Dr. Joachim Riethmüller klar. Wichtig ist darüber hinaus, dass die Salzkonzentration im Rauminneren eindeutig zu steuern ist. Bisher wurde nur die Salzqualität betrachtet. Doch mindestens genau so ausschlaggebend für den Behandlungserfolg ist die Qualität der Luft, die die Salzpartikel trägt. Ebenso wichtig ist es, das Augenmerk auf die Luftfeuchte zu richten. Um die für Halotherapieräume angemessenen Bedingungen zu erzeugen, muss die Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent liegen; denn bis er eingeatmet wird, sollte der Trockensalznebel so trocken wie möglich bleiben. Wenn die Partikel auch nur leicht feucht werden, verlieren sie ihre negative Ladung und verklumpen.
Priv. Doz. Dr. Joachim Riethmüller fasst zusammen: „Trockensalznebel verfügt über starke, feuchtigkeitsbindende Eigenschaften. Werden Salzpartikel inhaliert und im Bronchialbaum und Schleimhäuten abgelagert, wird der Schleim verflüssigt. Das erleichtert sein Abhusten. Die Patienten erleben, dass er einfacher ausgeworfen werden kann. Auch durch Schleim verursachte Blockaden in den Luftwegen können so abgebaut werden. Salzvernebelung kann zudem destruktive Entzündungsprozesse abmildern.
Die Inhalation von Trockensalznebel führt zu re- duzierter Besiedlung durch eine pathogene Bakterienflora. Er besitzt auch eine mukokinetische Wirkung. Das Salz regt den Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien an und wirkt daher schleimlösend. Außerdem kann diese spezielle Inhalation von Trockensalznebel die Funktionalität der Flimmerhärchen verbessern und regt so den lokalen Immunabwehrmechanismus an.“
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Priv. Doz. Dr. Joachim Riethmüller
ist Facharzt für Pädiatrie, Intensivmediziner, Lungenspezialist, stellvertretender Leiter des Center for Pediatric Clinical Studies (CPCS), eine Einrichtung der Universitätskinderklinik Tübingen (UKT). Dort führt er umfangreiche Forschungsarbeiten zu Heilungs- und Behandlungsalternativen für Kinder, die an Erkrankungen der Atemwege leiden, durch.

Prof. Dr. Olaf Michel
ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde, Plastische Operationen, Stimm- und Sprachheilkunde sowie Allergologie.
Er ist Professor am Universitair Ziekenhuis Brüssel (UZB) der Vrije Universiteit Brüssel (VUB). |