h+k professional Ausgabe Oktober 07- Cabriodächer für Badeanlagen

 


Auf und zu – Cabriodächer für Badanlagen

In der Ausgabe 2006_01 berichteten wir über innovative Dachkonstruktionen, die ein Hallenbad in kürzester Zeit in ein Freibad verwandeln können. Vorreiter in dieser Öffnungsdisziplin ist die kanadische Firma OpenAire. Deren Geschäftsführer Mark Albertine besuchte die h+k_professional-Redaktion in Berlin und stand Rede und Antwort zu den Produkten aus seinem Hause, das in Deutschland durch die Firma ABC Agency For Building Components GmbH in Vechta vertreten wird.

Franz X.A. Zipperer (fxaz): Willkommen in Berlin, Herr Albertine, Sie sind sicherlich nicht nur wegen des Interviews gekommen?

Mark Albertine (ma): Nicht nur, ich besuche Berlin, dann Süddeutschland, um über sehr interessante Projekte zu verhandeln. Lassen Sie mich sagen: Hier bewegt sich was.
fxaz: Seit wann realisieren Sie Projekte in Europa?
ma: Mitte der 90er Jahre sind wir auf der WWA-Messe in Orlando mit den deutschen Architekten „geising + böker“ ins Gespräch gekommen und haben dann 1999 das erste Projekt in Winsen a. d. Luhe, beim Bau des dortigen Inselbades, realisiert. Ich denke, weder der Bauherr noch die Architekten haben diesen mutigen Schritt bereut. Konzeption und Funktion des OpenAire-Daches sind immer noch genauso perfekt wie vor acht Jahren.
fxaz: In Ihren ersten Publikationen habe ich den Begriff „Cabrio-Dach“ gefunden. Wie funktioniert Ihr Cabrio?
ma: Die Bezeichnung „Cabrio“ wird dem OpenAire-System eigentlich nicht gerecht. Ein Cabrio-Dach kann bekanntlich nur ganz geöffnet oder geschlossen werden. Unsere Systeme können viel mehr. Sie können bis zu 75 Prozent, bei einigen Dachkonstruktionen bis zu 100 Prozent geöffnet und absolut wintergeeignet geschlossen werden. Das europäische Klima, wie auch das im Norden Amerikas, stellt aber ganz andere Anforderungen an eine optimal zu öffnende Dachkonstruktion. Wir können auf die ersten Sonnenstrahlen im Frühling, denken Sie einmal an den diesjährigen April, genauso gut und schnell reagieren wie auf starken, einseitigen Wind. In diesem Fall öffnen wir nur die windabgeneigte Dachseite. Ich könnte Ihnen für alle Monate eines Jahres viele Wettersituationen beschreiben, auf die unser Dachsystem, programmiert gesteuert oder manuell bedient, reagieren kann. Wie bei uns in Kanada gibt es schließlich nur rund 20 absolut windstille und warme Sonnentage pro Jahr – ein reines Badegast-Cabrio-Wetter. Anders sind Cabrio-Autofahrer: Die fahren auch mit Fellmütze und Thermo-Jacke offen (ma lacht). Allerdings bieten wir für wetterstabile Regionen, beispielsweise Florida, unser Teleskop-Dachsystem an. Die gesamte Dachfläche fährt in eine ein- oder beidseitige Parkposition.
fxaz: Welche Materialien verwendet OpenAire und welche Dachformen können Sie produzieren?
ma: Für das Tragwerk und die beweglichen Elemente wird Aluminium eingesetzt. Die Aluminium-Profile sind thermisch getrennt zur Minimierung des Kältetransfers und der Vermeidung von Kondenswasserbildung. Mit der Aluminiumkonstruktion realisieren wir Spannweiten bis zu 45 Meter. Für sehr große Konstruktionen ist auch ein kombinierter Einsatz von Stahl möglich. Die Dachelemente können einheitlich oder unterschiedlich mit Isolierglas oder einem „S-Wall“-Polykarbonat ausgestattet werden. Bezüglich der eingesetzten Materialien Aluminium, Glas und Polykarbonat bieten wir Ausführungen in vielen Standard-Farben an, wir erfüllen selbstverständlich auch individuelle Kundenwünsche. Auch bezüglich der Dachformen setzen wir individuelle Konzepte der Architekten um. Unsere „Best-Sold“-Dachformen sind ausführlich im Internet (www.openaire.com) dargestellt. Übrigens: Um ein Optimum bezüglich Konzept, Funktion und Kosten zur erreichen, empfehlen wir den Planern, mit unserer Entwurfs- und Konstruktionsabteilung schon in der Vorplanungsphase zu kooperieren.
fxaz: Wichtige Themen in Europa bzw. weltweit sind Klimawandel und neue Energiebestimmungen. Welchen Beitrag leistet hier OpenAire?
ma: Diese Themen öffnen OpenAire geradezu alle Türen. Sogar Amerika, wo wir unsere meisten Projekte realisieren, beginnt endlich aufzuwachen. Der Einsatz eines OpenAire-Dachsystems unterstützt absolut energiewirtschaftliche Zielsetzungen und übernimmt sogar eine Vorbildfunktion. Gegenüber einem geschlossenen Dach werden nachweislich, das heißt per Gutachten festgestellt, bis zu 27 Prozent der Energiekosten bei Schwimmbädern eingespart, da mit Steuerung der Elemente die Regelung beziehungsweise Abschaltung der Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen gekoppelt wird. Die Überdachung von Freibädern ermöglicht nicht nur ein Ganz-Jahres-Vergnügen, sondern auch einen Ganz-Jahres-Umsatz, der erfahrungsgemäß weitaus höher liegt als bei einem Hallenbad. Die Besucher sehnen sich nach Sonne und natürlicher Luft. Das Betreiben von Freibädern ist energiewirtschaftlich ein Luxus, der von Politikern und Steuerzahlern – meiner Meinung nach – nicht mehr lange durchsetzbar sein wird. Das Neuplanen oder Umwandeln vorhandener Bäder in ein „OpenAire“ Ganz-Jahres-Allwetter-Bad bringt Gewinn für alle: Kommunen, Betreiber, Freizeit- und Schulsport, natürlich auch für Familien, die ihre Freizeit wetterunabhängig planen und genießen können.
fxaz: OpenAire ist also spezialisiert auf den Bäderbereich?
ma: Ganz und gar nicht! Sport- und Bäderprojekte sind zwar bisher unser Haupttätigkeitsfeld, jedoch möchten auch die Besucher von Hotels, Restaurants und Shoppingzentren die Natur erleben, also natürliches Licht und natürliche Luft, wenn auch oft unbewusst, wahrnehmen. Auch Sonnenlicht löst bei den Besuchern eine positive Stimmung aus. Die touristischen Einrichtungen in den europäischen Alpenregionen werden auf den Klimawandel reagieren müssen, um Gäste und damit Umsätze zu halten und neu zu gewinnen. Hier sehen wir große Chancen für uns. Der Freizeit-Konsument empfindet und entscheidet.
fxaz: Vielen Dank, Herr Albertine, für Ihren Besuch hier in Berlin und dieses Interview.

 

 




 

 

 
 
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