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Auf und zu – Cabriodächer für
Badanlagen
In der Ausgabe 2006_01 berichteten
wir über innovative Dachkonstruktionen,
die ein Hallenbad in kürzester Zeit
in ein Freibad verwandeln können. Vorreiter
in dieser Öffnungsdisziplin ist die
kanadische Firma OpenAire. Deren Geschäftsführer
Mark Albertine besuchte die h+k_professional-Redaktion
in Berlin und stand Rede und Antwort zu
den Produkten aus seinem Hause, das in Deutschland
durch die Firma ABC Agency For Building
Components GmbH in Vechta vertreten wird.
Franz X.A. Zipperer (fxaz):
Willkommen in Berlin, Herr Albertine, Sie
sind sicherlich nicht nur wegen des Interviews
gekommen?
Mark Albertine (ma):
Nicht nur, ich besuche Berlin, dann Süddeutschland,
um über sehr interessante Projekte
zu verhandeln. Lassen Sie mich sagen: Hier
bewegt sich was.
fxaz: Seit wann realisieren Sie
Projekte in Europa?
ma: Mitte der 90er Jahre sind wir
auf der WWA-Messe in Orlando mit den deutschen
Architekten „geising + böker“
ins Gespräch gekommen und haben dann
1999 das erste Projekt in Winsen a. d. Luhe,
beim Bau des dortigen Inselbades, realisiert.
Ich denke, weder der Bauherr noch die Architekten
haben diesen mutigen Schritt bereut. Konzeption
und Funktion des OpenAire-Daches sind immer
noch genauso perfekt wie vor acht Jahren.
fxaz: In Ihren ersten Publikationen
habe ich den Begriff „Cabrio-Dach“
gefunden. Wie funktioniert Ihr Cabrio?
ma: Die Bezeichnung „Cabrio“
wird dem OpenAire-System eigentlich nicht
gerecht. Ein Cabrio-Dach kann bekanntlich
nur ganz geöffnet oder geschlossen
werden. Unsere Systeme können viel
mehr. Sie können bis zu 75 Prozent,
bei einigen Dachkonstruktionen bis zu 100
Prozent geöffnet und absolut wintergeeignet
geschlossen werden. Das europäische
Klima, wie auch das im Norden Amerikas,
stellt aber ganz andere Anforderungen an
eine optimal zu öffnende Dachkonstruktion.
Wir können auf die ersten Sonnenstrahlen
im Frühling, denken Sie einmal an den
diesjährigen April, genauso gut und
schnell reagieren wie auf starken, einseitigen
Wind. In diesem Fall öffnen wir nur
die windabgeneigte Dachseite. Ich könnte
Ihnen für alle Monate eines Jahres
viele Wettersituationen beschreiben, auf
die unser Dachsystem, programmiert gesteuert
oder manuell bedient, reagieren kann. Wie
bei uns in Kanada gibt es schließlich
nur rund 20 absolut windstille und warme
Sonnentage pro Jahr – ein reines Badegast-Cabrio-Wetter.
Anders sind Cabrio-Autofahrer: Die fahren
auch mit Fellmütze und Thermo-Jacke
offen (ma lacht). Allerdings bieten wir
für wetterstabile Regionen, beispielsweise
Florida, unser Teleskop-Dachsystem an. Die
gesamte Dachfläche fährt in eine
ein- oder beidseitige Parkposition.
fxaz: Welche Materialien verwendet
OpenAire und welche Dachformen können
Sie produzieren?
ma: Für das Tragwerk und die
beweglichen Elemente wird Aluminium eingesetzt.
Die Aluminium-Profile sind thermisch getrennt
zur Minimierung des Kältetransfers
und der Vermeidung von Kondenswasserbildung.
Mit der Aluminiumkonstruktion realisieren
wir Spannweiten bis zu 45 Meter. Für
sehr große Konstruktionen ist auch
ein kombinierter Einsatz von Stahl möglich.
Die Dachelemente können einheitlich
oder unterschiedlich mit Isolierglas oder
einem „S-Wall“-Polykarbonat
ausgestattet werden. Bezüglich der
eingesetzten Materialien Aluminium, Glas
und Polykarbonat bieten wir Ausführungen
in vielen Standard-Farben an, wir erfüllen
selbstverständlich auch individuelle
Kundenwünsche. Auch bezüglich
der Dachformen setzen wir individuelle Konzepte
der Architekten um. Unsere „Best-Sold“-Dachformen
sind ausführlich im Internet (www.openaire.com)
dargestellt. Übrigens: Um ein Optimum
bezüglich Konzept, Funktion und Kosten
zur erreichen, empfehlen wir den Planern,
mit unserer Entwurfs- und Konstruktionsabteilung
schon in der Vorplanungsphase zu kooperieren.
fxaz: Wichtige Themen in Europa
bzw. weltweit sind Klimawandel und neue
Energiebestimmungen. Welchen Beitrag leistet
hier OpenAire?
ma: Diese Themen öffnen OpenAire
geradezu alle Türen. Sogar Amerika,
wo wir unsere meisten Projekte realisieren,
beginnt endlich aufzuwachen. Der Einsatz
eines OpenAire-Dachsystems unterstützt
absolut energiewirtschaftliche Zielsetzungen
und übernimmt sogar eine Vorbildfunktion.
Gegenüber einem geschlossenen Dach
werden nachweislich, das heißt per
Gutachten festgestellt, bis zu 27 Prozent
der Energiekosten bei Schwimmbädern
eingespart, da mit Steuerung der Elemente
die Regelung beziehungsweise Abschaltung
der Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen
gekoppelt wird. Die Überdachung von
Freibädern ermöglicht nicht nur
ein Ganz-Jahres-Vergnügen, sondern
auch einen Ganz-Jahres-Umsatz, der erfahrungsgemäß
weitaus höher liegt als bei einem Hallenbad.
Die Besucher sehnen sich nach Sonne und
natürlicher Luft. Das Betreiben von
Freibädern ist energiewirtschaftlich
ein Luxus, der von Politikern und Steuerzahlern
– meiner Meinung nach – nicht
mehr lange durchsetzbar sein wird. Das Neuplanen
oder Umwandeln vorhandener Bäder in
ein „OpenAire“ Ganz-Jahres-Allwetter-Bad
bringt Gewinn für alle: Kommunen, Betreiber,
Freizeit- und Schulsport, natürlich
auch für Familien, die ihre Freizeit
wetterunabhängig planen und genießen
können.
fxaz: OpenAire ist also spezialisiert
auf den Bäderbereich?
ma: Ganz und gar nicht! Sport-
und Bäderprojekte sind zwar bisher
unser Haupttätigkeitsfeld, jedoch möchten
auch die Besucher von Hotels, Restaurants
und Shoppingzentren die Natur erleben, also
natürliches Licht und natürliche
Luft, wenn auch oft unbewusst, wahrnehmen.
Auch Sonnenlicht löst bei den Besuchern
eine positive Stimmung aus. Die touristischen
Einrichtungen in den europäischen Alpenregionen
werden auf den Klimawandel reagieren müssen,
um Gäste und damit Umsätze zu
halten und neu zu gewinnen. Hier sehen wir
große Chancen für uns. Der Freizeit-Konsument
empfindet und entscheidet.
fxaz: Vielen Dank, Herr Albertine, für
Ihren Besuch hier in Berlin und dieses Interview.
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