h+k professional Ausgabe Oktober 07-Titelthema

 


Der Bauherr allein zu Haus – Consulting ist für alle da

(fxaz) – Allenthalben ist von Fachleuten zu hören, dass eine intelligente Strategie das wirkungsvollste Mittel ist, um die Zukunft eines Bades, einer Therme oder Sauna im Wettbewerb erfolgreich zu gestalten. Dabei muss sich jeder Badbauherr heute in einem sehr komplexen Mix aus wirtschaftlichen, strategischen, finanziellen, technischen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen zurechtfinden. Theoretisch sicherlich schon lange kein Streitpunkt mehr. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Und wie wird die richtige Strategie gefunden? Wo liegt der Ausgangspunkt einer späteren Strategie? Was beinhalten diese Strategieüberlegungen eigentlich alles? Wer weiß dieses „alles“, oder muss man das wirklich selber wissen? Um schon mal ein wenig vorzugreifen, kann gesagt werden, dass es manchmal reicht, wenn man weiß, woher Wissen zu beziehen ist. Eine sprudelnde Quelle des Wissens ist Beratung oder Consulting. Um genau diese Quellenforschung zu betreiben, sprach Franz X.A. Zipperer mit Carl-Otto Wenzel von der Hamburger Firma Wenzel Consulting AG und mit Thorsten Sträter von der 4Spa GmbH aus Bad Reichenhall.

Der Mensch im Mittelpunkt

Um den Zugang zum Prozess von der aufkeimenden Badidee bis hin zur Realisierung und zum Betrieb zu bekommen, halten wir es doch zunächst mal mit Paul Henckels aus der „Feuerzangenbowle“. Stellte er doch die wunderbare Frage in den Raum, „wat es en Dampfmaschin?“ Dann fuhr er fort, „da stellen mer uns mal janz dumm“. Wird nun die Dampfmaschine zu Consulting, dann bleibt als nächster Schritt das Dummstellen erhalten. Dies erlaubt den freien Blick auf das höchstkomplexe Feld des Prozesses einer kommunalen Badplanung und -ausführung. Und nur um die geht es hier. Obwohl es selbstverständlich sein sollte, sei hier noch mal darauf hingewiesen, dass kommunale Badplanung sich zunächst nicht dem Profitdenken und dem Ziel der maximalen Wertschöpfung unterordnen darf, sondern im Rahmen der Verpflichtung zur Daseinsvorsorge für Menschen gebaut wird. Und dies in zweifacher Hinsicht: für die zukünftigen Besucher und für die Menschen, deren zukünftiger Arbeitsplatz diese Badanlage ist.

Vor- und Entwurfsplanung

Dies muss der Ausgangspunkt jeglicher Analytik sein. Dies muss gleichfalls die Basis für jegliches Consulting sein. Einen Berater hinzuziehen heißt zwar, sein Know-how und seine Erfahrungswerte für die Planung, den Bau und den Betrieb nutzbar zu machen. Es wäre dann schon falsche Eitelkeit, die Erkenntnisse und Analysen anderer Experten zu ignorieren. Schließlich hat man nicht so viel Zeit, alle Fehler selber zu machen. Es bedeutet aber nie, ihm das Feld zu überlassen. Auch für den Consultant muss seitens des Bauherrn ein klares Briefing her. Bei Wahl eines Beraters ist dafür Sorge zu tragen, dass er unabhängig in jeglicher Hinsicht ist und somit keine eigenen Interessen die Planung tangieren. Ein potenzieller Lieferant sollte in keinem Fall für eine solche Aufgabe in Frage kommen. Nur so ist gewährleistet, dass der Consultant den „Über“-blick behalten kann. Wenn also der Mensch der Ausgangspunkt ist, darf nie nur auf die eng umgrenzte Kommune hin gedacht werden. Sondern die Betrachtung muss interkommunal, zumindest auf das mittlere Einzugsgebiet, gerichtet sein. Aus dieser Analyse heraus ergibt sich, welche inhaltlichen Segmente in der Umgebung durch vorhandene Anlagen und Einrichtungen schon längst abgedeckt sind. Nur so werden Angebotsnischen sichtbar, die dann besetzt werden können. Und nur so entsteht die Möglichkeit, eine Badanlage zu realisieren, die bedarfsgerecht ist und mit der die Kommune dann auch wirtschaftlich zurechtkommt.

Dialog, Kommunikation und Kooperation

Aus der vorgenommenen Analyse kann der Consultant gleichsam eine Art Landkarte zeichnen dessen, was bereits im definierten Einzugsbereich vorhanden ist und wo die Nischen genau sind. Dies nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch örtlich. Aus beiden Informationssträngen lässt sich die erforderliche Anlagendefinition vornehmen. Diese fließt dann als Vorgabe in die Ausschreibung beziehungsweise den Wettbewerb ein. Es steht außer Frage, dass die Beratung in Richtung Anlagendefinition sich nicht nur auf Teile der Anlage, sondern stets auf die Gesamtanlage erstrecken muss. Dazu gehören zum Beispiel auch verkehrsplanerische Maßnahmen wie Anfahrt und Parkplätze. Dieser Aspekt wird hervorgehoben, weil darüber der erste Kontakt mit einer Badanlage entsteht. Hier können ein Großteil der Vorschuss-Sympathiepunkte leichtfertig verspielt werden, weil etwa den Abbiegespuren zu wenig Raum zugedacht wurde oder nicht auf die einfacher anfahrbaren Schrägparktaschen gesetzt wurde. An diesem Beispiel wird unmittelbar deutlich, dass hier nie die Rede von einem Consultant sein kann – es geht immer um ein Team. Damit rücken weitere wichtige Kernpunkte in den Fokus. Wie immer, wenn es um mehrere Beteiligte an einem Prozess geht, ist den Aspekten Dialog, Kommunikation und Kooperation besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Bei Bauvorhaben dieser Größenordnung ist klar, dass manchmal modifiziert werden muss. Dann muss beispielsweise der Architekt rückkoppeln. Unter Leitung des Consultants muss auf die Vorgaben geschaut werden und auf die sich ergebenden Veränderungen. Damit auch die Ziele in der Gesamtschau nicht geopfert auf der Strecke bleiben, muss der Consultant von Beginn an ganz tief in die funktionalen Abläufe gehen. Nur so kann er im Umsetzungsprozess erkennen, wenn funktionale Abläufe zum Beispiel räumlich behindert werden. Nur so kann er darauf hinweisen, dass eine solche Änderung nur mit zusätzlichen Mitarbeitern ausgeglichen werden kann und neben Reibungsverlusten immenses Geld kostet. Ein Consultant, der in einer solchen Situation nicht über Kommunikationserfahrung verfügt, ist absolut fehl am Platz.

Trendanalyse

Was weiß ein Consultant über Trends? Ein substanzielles Wissen, ohne das eine langfristige Planung nicht auskommen kann. Andererseits muss eine Anlage bis zu 25 Jahre funktionieren, vorher hat sie ihr Geld nicht verdient. So sollte der Consultant einen langfristig stabil laufenden Trend von einem reinen Modetrend unterscheiden können. Ein solcher langfristiger Trend könnte sein, Anlagen durch Einrichtungen für Prävention zu ergänzen, dies sollte ein stabiler Trend für die nächsten 15 bis 20 Jahre sein. Trotz der Nichtberechenbarkeit von modischen Trends steht der profunde Consultant diesen nicht hilflos gegenüber. Er ist in der Lage, das Konzept so zu gestalten, dass eine gewisse Flexibilität auch in der fertigen Anlage bleibt. Die Anlage sollte so gebaut sein, dass sie Schnittstellen aufweist, wo neue Einbauten angedockt werden können. Rastermasse, Raumhöhen, Fassadenelemente und Einbauten sind dann so gestaltet, dass der eine oder andere Bereich mit sehr geringem Kostenaufwand ausgetauscht werden kann, vergleichbar dem Shop-in-Shop-System moderner Kaufhäuser. Deutlich wird hier, eine erfolgreiche Anlage ist dem „Work-in-progress-Prinzip“ unterworfen.

Ökologie

Immer mehr wird ein guter Consultant bei der Badanlagenplanung auch ökologische Aspekte ins Blickfeld rücken. Zwei Knackpunkte seien hier stellvertretend behandelt: Energieeffizienz und die Ressource Wasser. Im Bereich der Energieeffizienz weist er die vorhandenen Möglichkeiten zur Nutzung von Energieeffizienzpotenzialen aus. Das Spektrum möglicher Maßnahmen reicht von verbessertem Wärmeschutz über Gebäudelüftung, Kühlung, Beleuchtung, Stromverteilung, Bürogeräte sowie sonstige elektrische Anwendungen. Außerdem sollte stets der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung sowie erneuerbarer Energiequellen geprüft werden.
Trotz der Tatsache, dass etwa 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist, sind die Süßwasservorkommen vergleichsweise gering. Nur etwa 1 Prozent (bezogen auf die /0 Prozent ???) ist für den Menschen nutzbar. Da die Begrenztheit der Ressource Wasser zu den am meisten unterschätzten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählt, wird jeder an die Zukunft denkende Consultant den verantwortungsvollen Umgang mit den Wasserressourcen auch beim Badbau unnachgiebig einfordern. Die technischen Möglichkeiten lassen dies zu.

Kostenfaktor Consultant

Consultants sind ein zusätzlicher Kostenfaktor. Klar. Vordergründig erstmal ja. Aber ein guter Consultant verdient für seine Kunden sehr viel mehr Geld, als er kostet. Denn er wird immer aus dem Markt und den Erfordernissen der Daseinsvorsorge heraus das zulässige Investitionsvolumen errechnen. So kann in einem zweiten Schritt herausgefiltert werden, was die Kommune genau ausgeben kann und welche Fördermittel gegebenenfalls noch zusätzlich zur Verfügung stehen. Das Geld, das im Zuge des Consulting-Prozesses insgesamt gespart werden kann, kann ein Vielfaches dessen sein, was den Kostensatz des Consultants ausmacht.

Consulting ist für alle da

Fazit: Es wurde aufgezeigt, welche hohen Anforderungen in Bezug auf Kenntnisse, Erfahrung, Prozessbeobachtung und Dialogfähigkeit an einen Consultant gestellt werden müssen. Zudem wurde deutlich, dass unter monetären Aspekten jedes Projekt, egal welcher Größenordnung, sich die Wissensquellen eines Consultants erschließen sollte. Denn gut beraten ist besser gespart und noch besser umgesetzt.

 




 

 

 
 
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