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Nachhaltigkeit – nur ein Wort?


(fxaz) Nachhaltigkeit ist in aller Munde. In dem der Bundesregierung, die in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland bereits 2002 forderte: „Eine in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht nachhaltige Entwicklung unseres Landes ist das Ziel der Bundesregierung. Aber nicht nur die Politik, auch Wirtschaft, Gesellschaft und jeder Einzelne sind gefordert, sich für dieses Ziel einzusetzen.“ Auch in dem der Vereinten Nationen. Die 1992 auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung beschlossene Agenda 21 besagt: „Entwicklung muss so gestaltet werden, dass den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen heutiger und künftiger Generationen in gerechter Weise entsprochen wird.“
Eine Forderung, welche die Autoren Dennis L. Meadows, Donella H. Meadows, Erich Zahn in ihrem Bericht an den Club of Rome in „Die Grenzen des Wachstums“ bereits 1972 aufstellten. Doch ist die Nachhaltigkeitsforderung weitaus älter und stammt aus dem Jahre 1713. In seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ fordert Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg, dass „immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung durch Säen und Pflanzen wieder nachwachsen kann.“ Klingt alles danach, als gäbe es da einen einheitlichen Zungenschlag. Doch Fakt ist, das Wissen um Nachhaltigkeit ist immer noch diffus und Nachhaltigkeit ein geradezu inflationär gebrauchtes Modewort geworden. So bleibt die Umsetzung der Forderungen oft Stückwerk und wird meist auch noch auf Energiesparen reduziert.

 

Ökologisch, ökonomisch und sozial – die besondere Verantwortung der öffentlichen Hand


Nachhaltiges Denken bedingt die ganzheitliche Betrachtung von Bauaktivitäten in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken hinweg. In diesem Zusammenhang stellt Werner Sobek, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), eindeutig klar: „Wir wollen Bauen zu einer ethischen Frage machen und mit einem monetär attraktiven Faktor versehen.“ Für die öffentliche Hand, die überwiegend Träger von Bau- und Umbaumaßnahmen in Sachen Gebäude der Bereiche Wasser-Wärme-Wellness ist, gilt dies im Rahmen der Daseinsvorsorge in besonderem Maße. Schließlich werden Räume für die Gesundheit und das positive Wohlbefinden gestaltet.
Ein Eckpunkt des Nachhaltigkeitsdreiecks ist die Planung, beginnend mit der Wahl eines geeigneten Bauplatzes, der beispielsweise flächen- sparendes Bauen ermöglicht. Dem folgt das nachhaltige Bauen. Dazu werden regenerative Materialien verwendet, denn diese brauchen nicht nur weniger Energie in der Gebäudeerstellung, bei späteren Umbauten produzieren sie auch keinen Sondermüll und haben somit keinen negativen Effekt auf die Gesamt-Energiebilanz. Zudem sollten etwa lösungsmittelfreie Farben Verwendung finden. PVC oder herbizidgetränkte Imprägnierungsmittel hingegen sind tabu. Die Baustoffe sollen eine hohe Lebensdauer aufweisen und auf kurzen Transportwegen zur Baustelle gelangen. Die zukünftige Energiebewirtschaftung soll umweltbezogen sein und auf erneuerbare Energien, wie zum Beispiel der Geothermie, zu- rückgreifen. Im Idealfall verbraucht ein Gebäude keine Energie, sondern produziert einen Energieüberschuss.


Zukunftsfähige Arbeit


Richtig spannend wird es nach der Bauausführung im Tagesgeschäft durch nachhaltiges Management. Dabei kann es um die Entscheidung zu Gunsten regionaler Gastronomie gehen. Aber es geht auch immer um zukunftsfähige Arbeit und Beschäftigung. Denn hier werden die Bereiche Ökologie und Ökonomie ins Soziale hinein verlängert. Dass dies einen so hohen Stellenwert für Nachhaltigkeit hat, ist leicht nachvollziehbar: Ar- beitskraft, Wissen, Erfahrung, Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter sind stets nicht nur zentrale persönliche Werte, sondern immer auch wirtschaftliches Kapital eines Unternehmens. Sie sind ebenfalls wichtige Ressourcen, mit denen verantwortungsvoll umzugehen ist.

 

Nachhaltiges Bauen als betriebswirtschaftliche Realität


Nachhaltiges Bauen und Betreiben ist keine „spinnerte“ Fiktion, sondern betriebswirtschaftliche Realität. Experten rechnen zwar mit fünf bis zehn Prozent Mehrkosten beim Bauen, wem es jedoch gelingt, durch kluge Planung Kosten im Betrieb zu sparen, hat einen entscheidenden Standortvorteil. Und mit den so genannten LOHAS, Menschen, die den Lifestyle of Health and Sustainability pflegen, steht dem nachhaltigen Betreiber eine immer größer werdende Nachfrage von wirtschaftlich, gesundheitlich und ökonomisch sinnvollen Produkten und Dienstleistungen gegenüber. LOHAS schaffen neue Werte, neues Bewusstsein und die Bedürfnisse dieser Menschen richten sich nach Innen, auf Änderungen der Lebensweise, nach Selbstkenntnis, nach Stressfreiheit und Entschleuni- gung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Beständigkeit.


Best-Practice-Beispiele


Theoretische Grundlegungen sind gut und richtig, doch nachhaltiger wirken im alltäglichen Entscheidungsprozess Beispiele einer bereits erfolgreich bestehenden Praxis. So ist die Toskana Therme im thüringischen Bad Sulza unter der Leitung der geschäftsführenden Gesellschafterin Marion Schneider als erste Therme der Welt mit dem renommierten Qualitätssiegel „GREEN GLOBE“ ausgezeichnet worden und ist im Bereich Wellness Vorreiter auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. „Das Engagement für eine nachhaltige, also sozialverantwortliche, umweltverträgliche und wirtschaftlich rentable Unternehmensführung muss immer schon in der Bauphase Anwendung finden“, bestätigt Marion Schneider, „das war bei der Toskana Therme nicht anders. So erschafft die Kombination einer leistungsfähigen Dämmschicht mit extensiver Begrünung des Dachs ein bauklimatisches Optimum. Die Toskana Therme erschafft mit ihrer bionischen Architektur eine magische, wohltuende Atmosphäre, in der der Gast mit gutem Gewissen entspannt.“ Weitere Pluspunkte in Sachen Nachhaltigkeit werden durch das Energiekonzept gesammelt. Die Toskana Therme nutzt ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und senkt damit die an die Umwelt abgegebenen CO2-Emissionen deutlich. Bei einem BHKW wird Wärme und Strom gleichzeitig erzeugt. Für die Beleuchtung werden vorwiegend LEDs genutzt. Diese verbrauchen erheblich weniger Strom als Energiesparlampen und erzielen eine län- gere Lebensdauer bei gleichzeitig höherer Leistung.
Zukunftsfähig zu wirtschaften war auch von Beginn an der Plan beim Sport- und Wellnessbad der Stadt Kelsterbach. Es wurde von 2007 an auf dem Gelände des alten Kelsterbacher Freizeitbades erbaut. Die 2.500 Quadratmeter große Schwimmbad-Anlage besteht aus einem Außenbereich und einem Hallenbad, wobei das Folienkissendach der Schwimmhalle verschiebbar ist. Ein Blick auf das ressourcenschonende baulich-technische Konzept fördert spannende Einsichten zutage. So ermöglicht das fahrbare Dach erhebliche Einsparungen, bei der mechanischen Lüftung und insbesondere bei der Entfeuchtung der Raumluft. Denn bei geöffnetem Dach können die Lüftungsanlagen samt energieintensiver Entfeuchtung ganz oder teilweise außer Betrieb genommen werden. Weitere Energieeffizienz wird durch einen hohen Dämmstandard der Gebäudehülle sowie durch eine hocheffiziente und primärenergetisch vorteilhafte Haustechnik erreicht. Interessant ist auch, dass der Betreiber, die private Gesellschaft für Entwicklung und Management von Freizeitsystemen mbH & Co. KG (GMF) zu einem energieeffizienten Betrieb des Bades verpflichtet ist, dies geschieht über ein Bonus-Malus-System. Um die Wirksamkeit der Energieeffizienzmaßnahmen und ihre Wechselwirkung mit dem Raumklima genauer bewerten zu können, wird das Schwimmbad im laufenden Betrieb einem wissenschaftlichen Monitoring und ergänzenden Untersuchungen durch das Institut für Massivbau der Technischen Universität Darmstadt unterzogen.
Der neue Green-Spa im Hotel Edelweiss im österreichischen Wagrain etwa benötigt nur 25 Prozent der Energie eines vergleichbaren Spa-Bereichs. Die Erdwärmenutzung macht den Green-Spa fast unabhängig von externer Energie. „Alle baulichen Komponenten entsprechen dem Passivhausstandard, diesem hohen Standard an energieeffizienter Bauweise. Darüber hinaus wurde der Beckenkörper voll wärmegedämmt und zahlreiche energiesparende, technische Einrichtungen installiert“, erklären die Architekten Andrea und Herwig Ronacher, „Wärme wird sowohl aus der Lüftungs- und Schwimmbadentfeuchtungsanlage, aus der Saunaabluft und sogar aus dem Duschwasser rückgewonnen. Auch das Schwimmbadabwasser aus den Überlaufrinnen, welches ansonsten ungenützt warm in den Abwasserkanal geleitet wird, wird für die Wärmerückgewinnung herangezogen. Eine ausgeklügelte Leitungsführung macht den Verzicht auf Zirkulationsleitungen möglich, bei den eingesetzten Pumpen griff man durchgehend zu stromoptimierten Geräten. Die restliche Heizenergie wird ausschließlich durch eine Wärmepumpe mit zehn Tiefenbohrungen gewonnen.“
Gerade die praktischen Beispiele zeigen erneut, wie zentral der Fokus auf der Energieeinsparung liegt. Wichtig jedoch ist auch das beginnende Nachdenken über den ressourcenschonenden Umgang mit Wasser. Ansonsten bleibt noch viel zu tun. Nachhaltige Veränderungen werden nur durch offene und ehrliche Diskussionen geschaffen, Lippenbekenntnisse bringen niemanden weiter.



 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Architektur der Toskana Therme in Bad Sulza

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bauklimatisches Optimum der Toskanatherme in Bad Sulza

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Auszeichnung der Toskanaworld mit dem Nachhaltigkeitslabel GREEN GLOBE

 

 

 
 
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