Wiedereröffnung des Tropicana in Stadthagen
Themenarchitektur
einmal anders
Karibisches
Flair in rot, orange, lila
Ein kräftiges Rot, ein leuchtendes
Orange und zartes Lila. Die Farbkombination
lässt das Herz für einen Moment
stillstehen. Abendlicht fällt durch
das Glasdach, verschiedene Blickwinkel
verschaffen immer neue Ansichten, von
denen viele poetische Gefühle hervorrufen
...
Es ist kurz vor 18 Uhr.
Noch sind Handwerker damit beschäftigt,
die Reste der Arbeiten zu entfernen. Eine
Tür ist plötzlich geschlossen,
durch die doch gleich viele staunende
Gäste kommen sollen. Hektisch wird
sie geöffnet. Wie kurz vor dem Fußballspiel,
das gerade bei der WM ausgetragen wurde,
ist die Erwartung an das Kommende groß.
Jeder Raum ein neuer
Blick. Trotz der Vielfalt prallen die
Eindrücke nicht aufeinander, wollen
nicht einfach durch Sensation in Erstaunen
versetzen. Sie ergeben sich organisch
und doch unvermutet. Vom azurblauen Raum
der Blick in den roten, durchs Fenster.
Wieder dieses Rot. Überall Durchblicke,
Fenster nach draußen und Fenster
ins Bad, die Transparenz erinnert immer
wieder an südliche Architektur.
„Wir sind froh, dass
uns der Bauherr nach anfänglichen
Diskussionen vertraut hat und uns viel
Freiheit gelassen hat“, sagt Gerhard
Geising vom Planungsbüro Geising&Böker.
Manch ein Investor hätte bei der
Farb-Konzeption vielleicht gezögert.
Dass das Thema Karibik beibehalten werden
sollte, implizierte schon der Name „Tropicana“.
Das ursprüngliche Bad war im Jahr
2003 fast vollständig abgebrannt.
Gänzlich unterschiedlich zur ehemaligen
Architektur wird das Karibik-Thema nun
durch Farbe, klare Linien und dezente
Dekoration aufgegriffen. Das Glasdach
kann bis zur Hälfte aufgeschoben
werden, frische Luft von draußen
verleiht dem karibischen Feeling echte
Frische.
Vom Badbereich in eine
andere Welt. Zum Saunabereich führt
ein Gang bestehend aus mehreren Torbögen,
einem südländischen Klostergang
nachempfunden. Zwei Menschen am Ende des
Ganges stehen unter einem der Bögen
plötzlich wie auf einer Bühne.
Die Situation will sofort festgehalten
werden – in einem Foto ...
Die ersten Gäste werden
bereits mit Getränken versorgt, gleich
wird die Eröffnungs-Rede des Bürgermeisters
erwartet, der zu späterer Stunde
auch selbst das Schwimmbecken einweihen
darf. „Start mit Sprung in die Fluten“
titelt die örtliche Presse am 21.
Juni ihren Bericht.
„Die Dekoration wurde
von unserem Büro gestaltet“,
informiert Gerhard Geising, was nicht
unbedingt üblich sei. Er erzählt,
durch welchen Zufall es zu dieser Puppe
in dem kleinen Fenster des Saunabereiches
kam – ein Mitarbeiter blickte durch
das Fenster und ein anderer erkannte die
Poesie der Situation. Man spürt,
wie viele Stunden seine Mitarbeiter liebevoll
Detail für Detail entwarfen.
Dass der Badebereich flexibel
und eventtauglich ist, wird am ersten
Abend schon deutlich. Auf der kleinen
Insel werden nicht nur Reden gehalten,
sondern dort wird später auch hawaiisch
getanzt. „Auch die alltäglich
notwendigen Arbeitsabläufe wurden
bei der Planung stark berücksichtigt“,
erklärt Jan Jansen, Geschäftsführer
des holländischen Unternehmens Pelikaan,
welches das Bad errichtete und schlüsselfertig
übergab.
Mehr als gemeinhin üblich,
wurden auch die unterschiedlichen Sinne
der Gäste in die Planung und letztendlich
auch beim Bau des Bades mit einbezogen.
Das
Hören:
Nicht nur das Gesundheitsbad und der Saunabereich
sind akustisch getrennt, sondern auch
im Badbereich selbst wurden "akustische
Nischen“ geschaffen, in die der
Gast sich vor Kinderlärm zurückziehen
kann.
Das
Fühlen:
Zwischen Sauna-Innenbereich und Saunadorf
entstand ein „Zwischenklima“,
das Saunafreunden ein Abkühlen je
nach Jahreszeit bei einer niedrigeren
Temperatur ermöglicht – in
vielen Ruhebereichen von Bädern ist
es nach dem Saunagang zu warm, der Kontrast
zwischen dem warmen Bad und der kühlen
Außenluft ist groß.
Das
Riechen:
Von einem Balkon oberhalb des Solebeckens
rieselt das Wasser nach unten durch eine
Saline. Hier können Ruhebedürftige
Salzluft schnuppern.
Das
Tasten:
Um von den Umkleiden in die Duschen zu
gelangen, muss kaum eine Tür berührt
werden, obwohl die Duschen nicht einsehbar
sind.
Das
Sehen:
Das Bad wurde von der Himmelsrichtung
hier gen Nachmittags- und Abendsonne ausgerichtet.
Und dann die Farben …
Das Abendlicht, das im
Saunabereich durch kleine Fenster fällt,
wirft ein Muster an die rote Wand wie
eine unvermutete Licht-Inszenierung. Das
Licht setzt auch diese abstrakte Puppe,
in die sich viele Saunagäste verlieben
werden, in einen Licht-Kege: ungewöhnlich
und ironisch zugleich.
Ich verabschiede mich
von der Puppe und von meiner Reise in
ein Karibik-Paradies. Jedoch ist dies
kein Paradies aus Plastik, keine Bilder,
die aus Klischees bestehen. Es sind Bilder,
die den Entwürfen expressionistischer
Malerei nachempfunden sind.
www.tropicana-stadthagen.de
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